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»RosaWinkelGedenkbuch« Gedenkort und Begräbnisstätte Altglienicke |
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Der Gedenkort befindet sich auf dem 〉 Städtischen Friedhof Berlin-Altglienicke, Schönefelder Chaussee 100, 12524 Berlin. Das Grabfeld U1/U2 befindet sich unmittelbar links neben dem Haupteingang des Friedhofs. Es wurde im Oktober 1940 nach Verhandlungen der SS mit der Friedhofsverwaltung angelegt.1 Dort ruhen die sterblichen Überreste von 1.372 Opfern des Nationalsozialismus:
Bereits kurz nach Kriegsende verpflichtete die Sowjetische Militäradministration (SMAD) die Kommunen per Befehl Nr. 184 dazu, Ehrenhaine und Ehrenfriedhöfe für die Opfer des Faschismus anzulegen. Um 1950 entstand so ein recht schlichter Gedenkstein. Wie damals in Ost und West üblich, erinnert er allgemein nur an die ermordeten „Antifaschisten“. Dieses Prinzip ging nahtlos in das Staatsrecht der DDR über. Die Gräber durften nach Ablauf der regulären Liegefristen weder eingeebnet noch neu belegt werden. In der BRD war die Situation zur gleichen Zeit deutlich komplizierter. Die Lage war politisch stark umstritten und von bürokratischen Hürden geprägt. Zwar erhielten NS-Opfer auch im Westen ein dauerhaftes Ruherecht. Es gab jedoch gravierende Unterschiede zur DDR bei der Anerkennung, der gesellschaftlichen Wertschätzung und der Verteilung der Grabstätten.Beim Thema Gräber und Liegefristen erlebten homosexuelle Männer auf beiden Seiten der Mauer eine doppelte Diskriminierung. Ihre Situation war von gesellschaftlicher Tabuisierung und dem Ausschluss von staatlichen Privilegien geprägt. Da Homosexualität nach 1945 in beiden deutschen Staaten strafbar blieb, wurden homosexuelle NS-Opfer, die „Rosa-Winkel-Häftlinge, bis nicht als Opfer anerkannt. Für ihre Gräber galten daher die normalen, zeitlich begrenzten und kostenpflichtigen Ruhefristen. In der Bundesrepublik war die Lage aufgrund der juristischen Kontinuität des NS-Unrechts besonders brutal: Die BRD übernahm 1949 die verschärfte NS-Fassung. Das Bundesverfassungsgericht bestätigte 1957 sogar, dass diese Fassung „kein nationalsozialistisches Unrecht“ sei. Erst 1969 und 1973 wurde das Gesetz entschärft, aber erst 1994 endgültig abgeschafft. Weil homosexuelle Männer rechtlich weiterhin als Kriminelle galten, wurden sie im Gräbergesetz von 1965 ignoriert. Sie galten nicht als „Opfer der Gewaltherrschaft“. In Deutschland wurden homosexuelle NS-Opfer erst im Jahr 2002 durch den Deutschen Bundestag offiziell juristisch rehabilitiert und als Opfer des Nationalsozialismus anerkannt.
»Den 1284 Ermordeten Antifaschisten deren Asche hier bestattet ist«
Um die Anonymität dieser Opfer aufzuheben, lobte die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen Ende 2018 einen Wettbewerb zur Neugestaltung der Grabfläche aus. Der neu gestaltete Begräbnis- und Erinnerungsort wurde am 27.09.2021 u. a. durch Bezirksbürgermeister Oliver Igel und Staatssekretär Stefan Tidow feierlich eingeweiht. Die eigentliche Urnengrabstelle wurde und mit immergrünen Bodendeckern würdig bepflanzt und mit einem bronzenen Schriftband eingefasst: „Hier ruhen die Aschen von über 1370 Menschen, die unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft litten und ihr Leben verloren“. Daneben werden auf großen Glaselementen die Namen und Lebensdaten der Toten genannt. Jeder Name für sich in individueller Handschrift, als lichte Ausnehmung im dunkelgrünen Glaskörper sichtbar. Sonne und Licht brechen sich an hellen Mattglas-Ausnehmungen, die der Schrift ein schimmerndes Volumen geben.
"Totgeschlagen, totgeschwiegen" – das selbstgestellte Vorhaben, allen Opfern ihre Anonymität zu nehmen, wurde verfehlt! "In dieser Grabstätte ruhen die Aschen von mehr als 1.370 Menschen, die während der nationalsozialistischen Terrorherrschaft in den Jahren 1935 bis 1945 ermordet wurden. Die Opfer - Angehörige verschiedener Nationalitäten, Glaubensrichtungen und ethnischer Zugehörigkeiten - waren Häftlinge aus den Konzentrationslagern Buchenwald, Dachau, Sachsenhausen sowie Menschen aus den T4-Tötungsanstalten Bernburg, Brandenburg, Grafeneck, Hadamar, Hartheim und Pirna-Sonnenstein." Aus dieser Formulierung geht nicht eindeutig oder explizit hervor, dass auch homosexuelle Menschen ("Rosa-Winkel-Häftlinge") unter den Opfern waren. Der Text nennt explizit "Nationalitäten, Glaubensrichtungen und ethnische Zugehörigkeiten". Homosexualität ist keine Ethnie! Die Verfolgung Homosexueller basierte auf der sexuellen Orientierung, nicht auf Herkunft oder Religion. 🔎 Foto: Ausschnitt aus einer Info-Tafel, aufgenommen 19. März 2022, Lothar Dönitz, Berlin – Ausführlicher: 〉 Kritik zur Informationstafel (pdf) |
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Im Gedenken an die ermordeten "Rosa-Winkel-Häftlinge" |
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| Todesdatum | Name | Geburtsdatum | |||
| 20.06.1940 | Ulrich Sperling
[Wir erinnern an ...] |
27.03.1904 | |||
| 25.06.1940 | Friedrich Frank
[Wir erinnern an ...] |
03.01.1894 | |||
| 07.07.1940 | Karl Krehan
[Wir erinnern an ...] |
12.09.1887 | |||
| 12.07.1940 | Walter Domes | 10.06.1900 | |||
| 17.07.1940 | Paul Wendel (Künstlername: Paul O'Montis)
[Wir erinnern an ...] |
03.04.1894 | |||
| 19.07.1940 | Stefan Schminghoff
[Wir erinnern an ...] |
20.02.1888 | |||
| 05.08.1940 | Fritz Wendt
[Wir erinnern an ...] |
09.09.1891 | |||
| 05.08.1940 | Georg Klarmann
[Wir erinnern an ...] |
17.01.1879 | |||
| 09.08.1940 | Fritz Hilgner
[Wir erinnern an ...] |
28.05.1896 | |||
| 28.08.1940 | Werner Braun
[Wir erinnern an ...] |
10.02.1914 | |||
| 08.10.1940 | Hans Papke | 08.08.1894 | |||
| 13.10.1940 | Paul Maier (Harry Texter)
[Wir erinnern an ...] |
15.04.1899 | |||
| 30.10.1940 | Georg Schließmann
[Wir erinnern an ...] |
21.05.1887 | |||
| 12.11.1940 | Ewald Birkelbach
[Wir erinnern an ...] |
22.05.1880 | |||
| 16.11.1940 [KZ Groß-Rosen] | Erwin Strübing
[Wir erinnern an ...] |
20.05.1910 | |||
| 25.11.1940 | Hans Retzlaff
[Wir erinnern an ...] |
13.08.1901 | |||
| 29.11.1940 | Johann Ballensiefen
[Wir erinnern an ...] |
27.05.1870 | |||
| 06.12.1940 | Anton Jankowiak
[Wir erinnern an ...] |
13.06.1898 | |||
| 12.12.1940 | Franz Braun
[Wir erinnern an ...] |
29.07.1904 | |||
| 20.12.1940 | Hans Becker
[Wir erinnern an ...] |
30.05.1911 | |||
| 25.12.1940 | Ernst Grone
[Wir erinnern an ...] |
17.01.1908 | |||
| 27.12.1940 | Karl Itzel
[Wir erinnern an ...] |
20.10.1940 | |||
| 03.01.1941 | Nicolaus, Theodor, Detlef Raabe
[Wir erinnern an ...] |
30.07.1895 | |||
| 19.01.1941 | Hans Lewens
[Wir erinnern an ...] |
04.12.1887 | |||
| 26.01.1941 | Otto Könneke
[Wir erinnern an ...] |
02.01.1902 | |||
| 30.01.1941 | August Schroll
[Wir erinnern an ...] |
01.05.1899 | |||
| 31.01.1941 | Paul Willmann | 20.03.1903 | |||
| 01.02.1941 | Wilhelm König
[Wir erinnern an ...] |
20.03.1903 | |||
| 02.02.1941 | Albert Pauper
[Wir erinnern an ...] |
21.04.1899 | |||
| 04.02.1941 | Felix Lewandowski
[Wir erinnern an ...] |
21.03.1912 | |||
| 05.02.1941 | Wilhelm Ginsberg
[Wir erinnern an ...] |
15.04.1905 | |||
| 06.02.1941 | Hermann Schliwkowitz
[Wir erinnern an ...] |
03.06.1893 | |||
| 09.02.1941 [KZ Groß-Rosen] | Julius Standfuß
[Wir erinnern an ...] |
06.09.1903 | |||
| 14.03.1941 |
Paul-Wilhelm Fuchs
[Wir erinnern an ...] |
15.01.1908 | |||
| 04.04.1941 | Karl, Arthur Pautzsch
[Wir erinnern an ...] |
14.04.1896 | |||
| 06.05.1941 | Władysław Konkel
[Wir erinnern an ...] |
24.09.1892 | |||
| 11.05.1941 |
Adolf Robert Wachalla
[Wir erinnern an ...] |
06.06.1891 | |||
| 24.09.1941 [KZ Buchenwald] | Alwin Dönitz | 10.05.1898 | |||
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Fußnoten:
1 Gedenkstättenforum, 〉 Gedenkstättenrundbrief 207 »Das Urnensammelgrabfeld U1/U2« Auf dem Friedhof Altglienicke in Berlin-Treptow/Köpenick, S. 8-14 (pdf) Quellen: Namensliste der Opfer aus den Sammelgräbern U1 und U2, Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz SenUVK/III C232, Stand 28.10.2020 Auskünfte aus dem Archiv der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen, |
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